Die BauID kommt: Mehr Schutz, weniger Papierkram am Bau
Die Zettelwirtschaft hat bald ein Ende. Mit der BauID werden Baustellen digitaler, Kontrollen einfacher und Lohn- und Sozialdumping sichtbarer. Das bringt Vorteile für 138.500 Beschäftigte und 11.200 Betriebe am Bau.
Ein Blick aufs Handy statt auf Papier. Ein Scan statt langer Kontrollen. Mit der BauID beginnt für die österreichische Bauwirtschaft ein neues Kapitel.
Das Parlament hat heute (07.06.2026) die BUAG-Novelle einstimmig beschlossen. Damit ist der Weg für die BauID frei. Die Karte wird von der BUAK kostenlos an alle Beschäftigten am Bau ausgegeben – auch an entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland.
Schluss mit dem Papierchaos
Viele Beschäftigte kennen das: lange Kontrollen, viel Papier und oft die Frage, ob alle Meldungen richtig erfolgt sind. Die BauID soll das ändern. Mit einem Scan kann künftig in Echtzeit überprüft werden:
- Ist die Person ordnungsgemäß angemeldet?
- Liegt eine gültige Entsendungsmeldung vor?
- Gibt es einen gültigen Aufenthalts- und Beschäftigungstitel?
Die notwendigen Daten kommen unter anderem von der Sozialversicherung, dem AMS und der BUAK. Das spart Zeit, reduziert Bürokratie und macht Kontrollen einfacher und transparenter.
Das digitale Rückgrat der Baustelle
Die BauID ist mehr als eine Karte. Sie ist das digitale Rückgrat der Baustelle. Mit ihr können Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter jederzeit ihre wichtigsten Daten abrufen:
- Urlaubsguthaben
- Stundenlohn
- Arbeitsverhältnisse
Alles digital und jederzeit abrufbar. Gerade auf Baustellen mit vielen Subfirmen schafft das mehr Transparenz und Sicherheit.
Lohn- und Sozialdumping wird sichtbar
Wer sauber arbeitet, soll auch faire Chancen haben. Noch immer melden Unternehmen Beschäftigte falsch an, drücken Löhne oder umgehen Regeln. Darunter leiden die Beschäftigten – und die vielen Betriebe, die sich an die Gesetze halten. Die BauID macht solche Verstöße künftig sichtbar und verfolgbar. Faire Betriebe werden gestärkt. Schwarze Schafe bekommen es schwerer.
Österreich wird Vorreiter in Europa
Mit der BauID geht Österreich einen Weg, den es in dieser Form in Europa noch nicht gibt. Beschäftigte, Betriebe und Kontrollbehörden werden digital vernetzt. Damit kommt die Bauwirtschaft Österreichs im 21. Jahrhundert an.
Für Josef Muchitsch, GBH-Bundesvorsitzender, ist klar:
Die BauID macht Lohn- und Sozialdumping sichtbar und verfolgbar. Das ist gut für die Beschäftigten, gut für die fairen Betriebe und gut für Österreich.
Ein Erfolg, der viel Überzeugungsarbeit gebraucht hat
Die BauID war kein Selbstläufer. Es brauchte unzählige Gespräche und viel Überzeugungsarbeit. Vor allem Muchitsch hat in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, die BauID Wirklichkeit werden zu lassen. Am Ende wurde die BUAG-Novelle einstimmig beschlossen.
Für Muchitsch ist das ein starkes Signal:
Die Einstimmigkeit zeigt, wie wichtig diese Novelle für die Beschäftigten, für die fairen Betriebe und für die gesamte Bauwirtschaft ist. Ich bedanke mich bei allen Parteien, die diesen Weg mitgetragen haben. Die BauID ist ein gemeinsamer Schritt für mehr Fairness und mehr Transparenz auf Österreichs Baustellen.
Auch die Arbeitgeber sehen die Vorteile. Für die Unternehmen bedeutet die BauID weniger Bürokratie und mehr Fairness im Wettbewerb.
Ein Erfolg der Sozialpartnerschaft
Die BauID zeigt, was möglich ist, wenn Gewerkschaft, Arbeitgeber und Politik an einem Strang ziehen. Für die GBH ist aber eines besonders wichtig: Jede und jeder, der am Bau arbeitet, soll die Sicherheit haben, dass die eigenen Ansprüche stimmen und die Spielregeln für alle gleich sind.
Denn am Ende geht es um mehr als um eine Karte. Es geht um faire Löhne, ehrliche Betriebe und den Schutz von 135.000 Beschäftigten. Es geht darum, dass Abgaben in Österreich bleiben und nicht ins Ausland abwandern. Und es geht darum, dass sich Beharrlichkeit auszahlt.
Gut für die Beschäftigten.
Gut für die fairen Betriebe.
Gut für Österreich.
Du bist Gewerkschaft.
Was bringt dir die BauID?
- kostenlos für alle Beschäftigten am Bau
- Urlaubsguthaben und Arbeitsverhältnisse digital abrufbar
- weniger Papier auf der Baustelle
- schnellere und einfachere Kontrollen
- mehr Schutz vor Lohn- und Sozialdumping
- faire Chancen für seriöse Betriebe
- mehr Transparenz für Beschäftigte und Betriebe
- ein digitales System für 138.500 Beschäftigte und 11.200 Betriebe am Bau
>> Zur Parlamentrede von Abg. z. NR Josef Muchitsch
APA/OTS Parlementsdirektion
Nationalrat einstimmig für Umstrukturierung der BauID-Karte
Änderungen sollen Entbürokratisierung und mehr Fairness bringen
Wien (PK) - Der Nationalrat hat heute einhellig beschlossen, das BauID-System umzustrukturieren. Das System hinter der Identifikationskarte für Beschäftigte am Bau wird künftig direkt von der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) betrieben.
BauID-System wird neu strukturiert
Für das BauID-System war bisher die BauID-GmbH, eine 100%-ige Tochter der BUAK, zuständig. Weil die BUAK das System hinter der BauID-Karte künftig selbst betreibt, werden die Zwecke neu strukturiert und die Datenverarbeitung geregelt. Die einstimmig beschlossene Novelle sieht vor, dass die BUAK künftig allen Arbeitnehmenden, die dem Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz (BUAG) unterliegen, eine BauID-Karte auszustellen hat. Weiterhin soll die Teilnahme aber freiwillig erfolgen. Die Ausstellung der Karte und die Nutzung des BauID-Systems ist kostenfrei, außer wenn Arbeitnehmende nicht dem BUAG unterliegen. Die Novelle tritt mit 1. August 2026 in Kraft. Sie regelt auch, dass künftig Metalltechnikbetriebe weitgehend vom BUAG ausgenommen sind, wobei das Gesetz für die Montage von Fassadenelementen in bestimmten Fällen weiterhin gilt.
Änderungen wird es auch bei der Schlechtwetterentschädigung für Beschäftigte am Bau geben. Derzeit wird der Anspruch in eine Winterperiode und eine Sommerperiode unterteilt, künftig soll es einen Anspruch von 320 Stunden für das gesamte Geschäftsjahr (1. November bis 31. Oktober) geben.
Mit einem Abänderungsantrag haben die Koalitionsparteien im Plenum noch eine Änderung im Zusammenhang mit Insolvenzen vorgenommen. Somit können künftig entrichtete Zuschläge sowie Sicherheiten und Pfändungspfandrechte, die für Zuschläge bestellt oder erworben wurden, nicht nach der Insolvenzordnung angefochten werden, wenn die Schuldnerin oder der Schuldner genug Vermögen hat, um die Anlaufkosten des Insolvenzverfahrens zu decken.
Arbeitsministerin Korinna Schumann bezeichnete die BUAK als eines der stabilsten Fundamente der österreichischen Sozialpartnerschaft. Sie erläuterte, dass sie Sicherheit für die Arbeitnehmenden und für die Betriebe bringe. Beschäftigte etwa seien hinsichtlich ihrer Urlaubs- und Abfertigungsansprüche abgesichert. Für die Unternehmen sei die finanzielle Last auf die gesamte Branche verteilt. Die Novelle bezeichnete sie als wichtigen Schritt für Digitalisierung und Entbürokratisierung. Sie ermögliche die papierlose Baustelle und erleichtere Kontrollen durch die Finanzpolizei.
Abgeordnete befürworten Novelle einstimmig
Für Josef Muchitsch (SPÖ) leistet die Novelle einen Beitrag für weniger Bürokratie und mehr Fairness am Bau. Die BauID-Karte werde in den nächsten drei Jahren kostenlos auf alle rund 140.000 Beschäftigten am Bau ausgerollt. Muchitsch bezeichnete die Karte als "digitalen Führerschein für die Baustelle", es heiße damit "freie Fahrt". Beschäftigte könnten mit der Karte Echtzeitabfragen über Urlaubsansprüche, ihren Stundenlohn oder Meldezeiten vornehmen. Für die Unternehmen werde die papierlose Baustelle umgesetzt und Kontrollen könnten schneller abgewickelt werden. Damit sorge die Novelle auch für fairen Wettbewerb.
Tanja Graf (ÖVP) hob insbesondere die moderne Verwaltung durch "weniger Papierkram" hervor, die die Änderung mit sich bringe. Entscheidend sei auch die klare Abgrenzung der Betriebe, die unter das BUAG fallen. Laurenz Pöttinger (ÖVP) wies darauf hin, dass gewisse Spenglerbetriebe durch die Änderung per Antrag aus der BUAK ausscheiden können. Ein solcher Antrag müsse bis 31. Oktober gestellt werden, damit ein Ausstieg mit Jahresende erfolge.
Von den NEOS bezeichnete Michael Bernhard den Schritt in Richtung Digitalisierung und Entbürokratisierung als positiv. In der Vergangenheit habe es Unsicherheiten und Ärger bei manchen Betrieben gegeben, weil für Handwerksbetriebe nicht immer klar gewesen sei, ob sie BUAK-pflichtig seien. Die Novelle löse einen großen Teil dieser Unsicherheit nun auf, sagte Bernhard mit Blick auf die Metalltechnikbetriebe.
Dagmar Belakowitsch (FPÖ) sah mit der Novelle zwar noch nicht das "Ende der Fahnenstange" gekommen, kündigte aber dennoch ihre Zustimmung an. Positiv sei, dass die papierfreie Baustelle damit eingeführt werde, was Entlastungen für die Unternehmen bringe. Ihrer Meinung nach bräuchte es aber weitere Schritte, um Sozialdumping in den Griff zu bekommen. Belakowitsch bat darum, die Problematik der Sub-Unternehmen sowie der Scheinfirmen "endlich anzugehen".
Markus Koza (Grüne) bezeichnete die BUAK als wichtige Einrichtungen für die Beschäftigten einer Branche, die von nicht-durchgängiger Beschäftigung geprägt sei. So sei die BUAK auch jene Einrichtung, die bei Schlechtwetter einspringe und die Kosten übernehme. Insofern fand er auch die Anpassung der Schlechtwetterentschädigung positiv. Klimawandelbedingt komme es zu immer mehr hitzebedingten Ausfallstunden. Das zeige, dass die Auswirkungen des Klimawandels in der Arbeitswelt angekommen seien.




